Urime Albian Ajeti zum Torschützenkönig 2017/18

FCBblog.ch gratuliert Albian Ajeti zum Titel des Torschützenkönigs der Raiffeisen Super League Saison 2017/2018.

URIMEALBIAN

Wie verlief Albian Ajetis Karriere eigentlich bevor er Torschützenkönig wurde?

Nights to Remember

Eckball Fabian Frei. Der Ball kommt mit Zug auf den zweiten Pfosten. Gulácsi verschätzt sich – dahinter schraubt sich Ajeti in die Höhe und bringt das Leder mit voller Willenskraft zurück in die Mitte. Gaston Sauro setzt sich gegen zwei Gegenspieler durch und der Ball zappelt im Netz: 2:1! Überschwänglicher Jubel, der Block explodiert. Wer es nicht bereits weggeworfen hat, der schmeisst sein «Capri-Sonne» in die Luft – die pure Extase. Der FCB hat soeben in Unterzahl die Auswärtspartie gegen Salzburg gedreht.

In einem der denkwürdigsten Spiele der jüngeren FCB-Vergangenheit war ein Ajeti massgeblich am Ausgleich beteiligt: Arlind, der älteste der drei Brüder, spielte gerade seine dritte Serie A Saison zu Ende, er war von Torino an den FC Crotone ausgeliehen. Crotone ist abgestiegen und Torino wird wohl eine erneute Ausleihe oder einen Transfer anstreben. Von Europa-League-Grosstaten und erinnerungswürdigen Nächten wie im Auswärtspiel FC Basel – FC Salzburg ist Arlind zurzeit weit entfernt.

Woran sich nur wenige Fans erinnern dürften, ist das Hinspiel der besagten Partie. Ein stark ersatzgeschwächter FCB und Salzburg trennten sich nach intensivem körperbetonten Spiel 0:0. Murat Yakin hatte die Ersatzbank mit Spielern aus der U-21 aufgefüllt, und für zwei 17-Jährige wurde dieses 0:0 in der Nachspielzeit zu einer Nacht, die sie nie vergessen werden. In der 90. Minute verliess Serey Dié den Platz und aufs Feld kam Breel Embolo. Zwei Minuten später wechselte Yakin Albian Ajeti für Giovanni Sio ein. Für beide Nachwuchsstürmer waren dies die allerersten Minuten in der ersten Mannschaft. Breel Embolo schoss bereits im Spiel danach sein erstes Meisterschaftstor und kam in der Schlussphase der Saison 13/14 zu einigen Teileinsätzen und Spielminuten. Albian Ajeti hingegen musste sich gedulden und durfte schliesslich im letzten Spiel der Saison von Anfang an ran, er erzielte ebenfalls sein erstes Meisterschaftstor.

Wenn er spielt, dann scort er

Nach dem ersten Saisonspiel 14/15 unter Paulo Sousa in Aarau, trennten sich die Wege von Albian und Breel. Letzterer sicherte sich den Platz in der ersten Mannschaft, während Ajeti von Sousa in die U-21 zurückgeschickt wurde, mit dem Hinweis er solle sich beweisen, mehr scoren als in der Saison davor. Ein Rückschlag, doch während sich Embolo in der Super League etablierte, scharrte Ajeti in der Vorrunde hörbar mit den Hufen, erzielt super Scorerwerte. 14 Tore in der Promotion League und 4 in der Uefa Youth League waren es innerhalb eines halben Jahres. Der Lohn dafür war die Rückberufung ins Kader der ersten Mannschaft im Winter, dort bekam Albian aber nur knapp 150’ in Teileinsätzen im Cup und Ende der Saison auch in der Meisterschaft, wo er wieder im letzten Saisonspiel sein zweites Meisterschaftstor erzielte.

Auch unter dem neuen Trainer Urs Fischer kam der 18-jährige Albian Ajeti nicht über den Status des Ergänzungsspielers hinaus. Er machte zwar nur noch 5 Spiele in der U-21, gehörte somit klar zum erweiterten Kader des Fanionteams. Spielen durfte er aber vor allem im Cup (250’), gegen Teams wie Meyrin, YF Juventus oder den SV Muttenz. Wenn er spielte, dann scorte er auch: 4 Tore und 3 Vorlagen sammelte der junge Goalgetter in insgesamt 480 Spielminuten der Vorrunde 2015.

Das war ihm zu wenig, er war ungeduldig, wollte mehr als sich in die Challenge League ausleihen lassen – vor allem mehr Spielminuten in der ersten Mannschaft. Der FCB konnte und wollte Ajeti das nicht bieten, die Konkurrenz war mit Janko und Embolo zu stark. Die Verhandlungen zwischen FCB und Ajetis Familie ziehen sich hin. Als der FCB schliesslich auch noch Andrasz Sporar verpflichtet, war das Geschirr zwischen Verein und Familie zerschlagen, nachdem bereits zu Beginn der Saison keine Vertragsverlängerung mit dem Bruder Arlind zustande gekommen war. So kam es, dass Albian Ajeti trotz exzellenter Scorerwerte (Minuten pro Torbeteiligung = 68’) fast schon fluchtartig zum FC Augsburg in die Bundesliga wechselte.

Die Rückkehr des verlorenen Sohns

In der Puppenkisten-Stadt brachte es Ajeti jedoch nur auf einen Teileinsatz in der Bundesliga, wenn er spielte, dann in der Regionalliga in der 2. Mannschaft. Perspektive auf Besserung war kaum vorhanden, Augsburg spielte mit einem Mittelstürmer, die Konkurrenz war mit Raul Bobadilla und Alfred Finnbogason zu gross. Albian und seine Berater sahen ein, dass der Transfer in die Bundesliga zu früh kam. Zwar begann er die Saison 16/17 noch im Trikot des FC Augsburgs, wurde aber schon bald zurück in die Schweiz, zum FC St. Gallen ausgeliehen. Hier schlug er ein und lieferte mit 15 Scorerpunkten (11 Tore und 4 Vorlagen) in 2193’, seinem Durchsetzungswillen und Torriecher genügend Gründe dafür, dass ihn der FCSG auf die Saison 17/18 hin zu sich transferierte.

In Basel war in der Zwischenzeit die Ära Heusler mit 8 Meistertiteln in Folge zu Ende gegangen, und mit Marco Streller übernahm nun ein ehemaliger Teamkollege von Ajeti die sportliche Leitung des Clubs. Der «Basler bleibt Basel»-Slogan der neuen Führung machte ein Interesse an Albian Ajeti fast schon zur Pflicht für den FCB. Als das Interesse Anfang Saison bekannt wurde, kam mit St. Gallen aber noch kein Deal zustande. Erst als sich beim FCB nach dem ersten Saisonviertel der vermeintliche Königstransfer Ricky van Wolfswinkel verletzte, holte Streller den verlorenen Sohn zurück ans Rheinknie.

Gut möglich, dass der Sportchef des FCB viel von sich selber im jungen Ajeti gesehen hat. «[…] Zudem war er vielleicht etwas ungeduldig und wollte unbedingt spielen. Allerdings mag ich solche Spieler, die diesen Ehrgeiz haben. Albian ist einer, der sich auch richtig aufregen kann, wenn er ein Trainingsspiel verliert – er will einfach unbedingt gewinnen. Jetzt ist er zurück bei seinem Club, was immer sein Traum war. Wir freuen uns sehr auf ihn und sind überzeugt, dass er unser Stürmerteam perfekt ergänzt und der Mannschaft helfen kann», meinte Streller nach der Verpflichtung.

Streller sollte recht behalten. Albian Ajeti spielte unter Raphael Wicky seine stärkste Saison und zeigte sich als zuverlässiger Goalgetter. Er hat sich mit starken Leistungen am Saisonende sogar noch den Titel des Torschützenkönigs geholt und war einer der Lichtblicke der vergangenen Saison.

Urime Albian!

Teile auf