Die Reise nach Osten? Champions-League-Qualifikation für den FCB (und YB)

Die Saison 2017/18 ist entschieden. Meister wurde nicht wie gewohnt der FCB, sondern YB. Nach 32-jähriger Wartezeit. Doch wie heisst es so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Nach der Saison ist vor der Saison! Denn trotz des zweiten Platzes, hat der FCB im Sommer die Chance sich für die Champions-League zu qualifizieren. Ok, in diesem Fall ist «nach der Saison» erstmal vor der WM in Russland vom 14. Juni-15. Juli 2018. Eine Woche später geht auch für den FCB die neue Saison los, und zwar gleich mit englischen Wochen. Am Wochenende vom 21.-22. Juli wartet das erste Saisonspiel und am folgenden Dienstag oder Mittwoch geht es bereits ins erste Spiel der Champions-League-Qualifikation.

Die königliche Liga

Die «Reise nach Westen», geschrieben im 16. Jahrhundert zur Zeit der Ming-Dynastie von Wu Cheng’en, ist ein chinesischer Roman und zählt zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur. Er erzählt von der Befreiung des Affenkönig Sun Wukong durch den buddhistischen Priester Xuanzang und ihrer gemeinsamen Reise nach Westen, ins Land von Buddha. Der erste Teil beruht auf der in der Zeit der Streitenden Reiche entstanden Legende vom Affenkönig, der den Rebellen verkörpert, der sich gegen die Obrigkeit erhebt. Deshalb ist der Affenkönig, mit seiner Mischung aus ungestümem Verhalten, großem Mut, merkwürdigem Humor und stellenweise überraschender Weisheit, seit mehr als 1 500 Jahren eine der beliebtesten Volksfiguren Chinas.

Wenn  man die Champions-League der letzten Jahre in Gedanken Revue passieren lässt, fühlt man sich unweigerlich an eine Geschichte mit ganz anderen Affenkönigen erinnert – und das nicht nur, weil Cristiano Ronaldo mit seinen Königlichen von Real irgendwann den Champions-League-Final als Ziel eines alljährlichen Betriebsausflugs im Frühling bestimmt hat. Nein, vor allem wie die Affenkönige an der Spitze von Bayern München, Real Madrid und Barcelona, zusammen mit den Strombolis (#Pinocchio) der italienischen Grossclubs, der im Zuge der Platini-Affäre führungslosen Uefa eine Reform der Champions-League aufgezwungen haben, die ihnen auf Kosten der mittleren Clubs ihrer Ligen noch mehr Geld verschafft, war schon ein starkes Stück. Persönlich wäre ich deshalb nicht abgeneigt wieder einmal eine Saison Pause von diesem ganzen Affenzirkus zu nehmen und würde eine Europa-League-Gruppenphase fast bevorzugen.

Der Vorteil für den FCB: Er könnte aufgrund der regelmässigen europäischen Teilnahmen und eines folglich guten 10-Jahreskoeffizienten, welcher neu eine grosse Rolle bei der Ausschüttung der Champions-League Gelder einnimmt, von der Reform selber gross profitieren. Bei einer allfälligen Teilnahme an der Gruppenphase winken ihm ca. doppelt so viele sichere Einnahmen wie bisher. Grob geschätzt sind das 20-25 Mio. Euro.

Aber: Als Zweitplatzierter ist der Qualifikationsweg in die Manege des Zirkus der Affenkönige natürlich schwieriger, als als Meister.

FC Basel – Die Reise nach Osten?

Drei Runden muss der FCB auf dem Qualifikationsweg der Nichtmeister bis zur Gruppenphase überstehen. In jeder Runde gibt es viel zu gewinnen.

Die Qualifikationsrunde Zwei des Wettbewerbs stellt für den FCB die erste Runde des nächstjährigen Champions-League Abenteuers dar. Es ist bereits das erste Finalspiel, denn der FCB spielt in Runde Eins bereits um den Einzug in die Europa-League Gruppenphase – den kleinen Bruder der Champions-League. Übersteht man die heissblütigen Griechen von Paok Saloniki oder bleibt bei einem allfälligen Duell mit dem ehemaligen Trainer Heiko Vogel bei Sturm Graz obenauf, ist das Minimalziel, von europäischen Gruppenspielen im Jahr 2018, bereits erreicht. Sollte der FCB unerwartet bereits in Runde Eins ausscheiden, hätte man immer noch die Chance dieses Minimalziel über zwei Runden der Europa-League-Quali zu erreichen.

In Runde Zwei ginge es für den FCB um den Einzug in die lukrative letzte Runde der CL-Qualifikation, die Champions-League Play-Offs. Als mögliche Gegner in dieser Runde warten (zum jetzigen Zeitpunkt) Standard Lüttich, Fenerbahce Istanbul, Slavia Prag und Spartak Moskau. Auch wenn der FCB in Runde Zwei ausscheiden würde, wäre er noch immer für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert.

Im Playoff sind nur noch vier Teams übrig. Als wahrscheinlichste Gegner warten Ajax Amsterdam oder Dynamo Kiev auf den FCB, ausser sie scheiden bereits vorher gegen eines der Teams aus Runde Eins oder Zwei aus.
Von den möglichen Gegnern des FCB sind sportlich alle in Reichweite, die meisten Partien wären sogenannte 50-50 Partien. Alle Clubs (mit Ausnahme der beiden Benelux-Teams aus Lüttich und Amsterdam) liegen im Osten von Basel: Prag, Graz, Thessaloniki, Istanbul, Kiev, Moskau. Auf der Reise nach Osten wird der FCB als Team erfolgreich sein, wenn er sich an einer noch viel weiter östlich spielenden Geschichte orientiert. Wenn er sich nicht die Affenkönige des modernen Fussballzirkus zum Vorbild nimmt, sondern den Affenkönig Sun Wukong und rebellisch, unangepasst, ungestüm, mutig, überraschend und manchmal auch weise jedes Spiel in Angriff nimmt.

Young Boys – können Bienen tatsächlich stechen?

Ob die YB-Bienen dieses Jahr tatsächlich auch einmal Champions-League Honig einsammeln dürfen, hängt davon ab, ob sie endlich einmal im richtigen Moment auf den Punkt bereit sein können, also zustechen. Wir erinnern uns noch an das unnötige Eigentor von Goalie von Ballmoos und Nuhu im letztjährigen Playoff Heimspiel gegen ZSKA Moskau. Auf YB warten ähnlich starke Mannschaften wie auf den FCB: Celtic Glasgow, PSV Eindhoven, Ludogorets Razgrad oder Salzburg. Aber wenigstens ist YB bereits vor Beginn der Qualifikation für die Europa-League Gruppenphase qualifiziert.

Bitter für YB: Sollten sich sowohl der FCB als auch YB für die Champions-League qualifizieren, würde YB aufgrund des schlechteren 10-Jahres-Koeffizienten über 10 Mio. Euro weniger als der FCB aus den prall gefüllten Uefa-Töpfen erhalten. – Wer in einer Europa-League Gruppe mit Partizan Belgrad, Skënderbeu Koca und Dynamo Kiev mit nur sechs Punkten ausscheidet, darf sich aber nicht über seinen schlechten Koeffizienten beklagen.

 

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